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Ausstellung Heba Amin
The Last Witness
Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2022
18. März bis 7. Mai 2023
Heba Y. Amin baut ihre Arbeit auf Forschungen auf und leitet daraus spekulative, manchmal auch satirische Ansätze ab. Auf diese Weise untersucht sie, wie „Ideale“ des Fortschritts durch verschiedene Technologien der Kolonialisierung befördert wurden. In ihren fortlaufenden Untersuchungen und ihrer künstlerischen Praxis nutzt sie visuelle Strategien, um über gewaltsame und autoritäre Strukturen von Technologie nachzudenken. The Last Witness umfasst eine Reihe von Arbeiten, die hinterfragen, wie solche Strukturen und Technologien zukünftige Erzählungen prägen und diese in vielerlei Hinsicht zu definieren versuchen.
Die titelgebende Arbeit The Last Witness (2017) betrachtet eine Geisterstadt. Sie porträtiert die von mauretanischen Streitkräften bewachten baulichen Überreste eines ehemaligen spanischen Kolonialvorpostens, der in den Sanddünen der Halbinsel Ras Nouadhibou begraben ist. Anhand der gefundenen Erinnerungen des letzten lebenden Einwohners von La Agüera wird die Nostalgie eines Mannes gegenüber seiner Kindheit in der spanischen Sahara im Jahr 1933 mit dem langwierigen und brutalen Kampf um die Souveränität der Sahrauis seit dem Rückzug der Spanier im Jahr 1975 kontrastiert.
In ähnlicher Weise setzt sich Atom Elegy (2022) mit den französischen Atomtests in Algerien und den weitreichenden Folgen des radioaktiven Niederschlags auseinander. Eine gespenstische Fotografie aus dem Jahr 1960 zeigt zwei Reihen menschenähnlicher Figuren, die in der algerischen Wüste auf die Detonation einer Atombombe warten. Anhand eines Miniaturmodells und einer Rekonstruktion des Originalbildes fängt die Arbeit die Vorahnung der bevorstehenden nuklearen Gewalt in Echtzeit ein. Die katastrophale Vision der nuklearen Zerstörung, ein starkes Symbol der Hybris der Moderne, wird sowohl sublimiert als auch in den Vordergrund gerückt, als Zeugnis des kolonialen Vermächtnisses der territorialen Zerstörung und, was entscheidend ist, des neokolonialen Willens, die Zukunft zu besetzen.
Die älteste Arbeit in der Ausstellung, eine fortlaufende Mehrkanal-Videoinstallation mit dem Titel Project Speak2Tweet (2011 bis heute), verwendet per Telefon aufgezeichnete Sprachnachrichten als Reaktion auf die landesweite Internetsperre der ägyptischen Regierung in den ersten Tagen des Aufstands 2011. Neben den verlassenen städtischen Strukturen, die für die lang anhaltenden Auswirkungen der Korruption stehen, verdeutlicht die Arbeit, wie sehr die Fortschritte in der Kommunikationstechnologie oft durch ihre utopischen Versprechen demokratischer Ausdrucksmöglichkeiten verschleiert werden. In einer anderen Arbeit fragt Amin, wie wir unseren Körper in alltäglichen Protestaktionen einsetzen können. Walking a Watermelon in Cairo (2016) stellt die konventionelle Nutzung des öffentlichen Raums in Frage, insbesondere in einem Überwachungsstaat nach der Revolution, indem er die technischen Möglichkeiten von Überwachungssystemen mit einer anti-technologischen Geste testet.
Mit ihrem Engagement für die Veröffentlichung und Erstellung von Inhalten, die sich aus den Themen der Ausstellung ergeben, nutzt Amin die Ausstellung, um ein breiteres Netzwerk von Künstler:innen und Denker:innen einzubinden, das dazu beiträgt, die diskursiven Aspekte ihrer Kunstwerke zu erweitern.

