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Ausstellung Prozess_Farben
Prozess_Farben
30. August bis 1. November 2020
Gegenwärtig ist in der Kunst eine verstärkte Hinwendung zu handwerklichen Techniken und kontinuierlichen Arbeitsabläufen zu beobachten. Daraus lässt sich auch ein offener Werkbegriff ableiten, der sich nicht allein vom Motiv als Ergebnis oder von klaren Abgrenzungen der Genres her denken lässt. Mit dieser Gruppenausstellung zeigt die Städtische Galerie Nordhorn Malerei jenseits des Tafelbildes als ein materialbezogenes, unmittelbares und oft radikales Handeln. Die vier eingeladenen Künstlerinnen verfolgen sehr unterschiedliche Techniken und subjektive Themen. Im gemeinsamen Blick ist dagegen die komplexe und kritische Auseinandersetzung mit Farbe und Bildgrund als Materie. Daraus folgt auch eine bewusste Arbeit mit Plastizität und Raum, denn die Künstlerinnen beziehen darüber hinaus weitere Werkstoffe und Objekte mit ein. Die Kunstwerke fordern eine Betrachtung, die sich auf die Spannung zwischen Produktion, Bilderzählung und Körperlichkeit einlässt. Dann bieten sich in der Ausstellung viele Erzählfäden an, die sich aus den Farben, Formen und Materialien, aber auch aus den verschiedenen Herstellungsprozessen und schließlich den räumlichen Beziehungen ergeben.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 4 Umschlagvarianten erschienen, der in der Städtischen Galerie bestellt werden kann.
„Erstaunlicherweise kommen Farben in elaborierten Diskursbegriffen kaum vor. Farben werden als Stichwort und Thema eher isoliert anvisiert. Dabei spielen sie eben nicht nur in der Malerei ihre notorische Rolle, sondern kommen in aller plastischen und raumbezogenen Kunst ins Spiel, sofern man sie nicht mit Absicht ausschließt. Mit der Auswahl von vier Künstlerinnen, die in ihrer Materialbezogenheit eher auf handwerkliche Techniken zurückgreifen, die in künstlerischer Wertschätzung nicht so gut abschneiden – Scherenschnitt, Batik-Druck, Flickenteppiche, Keramik, Basteleien aus Restmaterialien – kommt jedoch die Farbe zu neuen Formgelegenheiten. Formen können einen unterschiedlichen Stellenwert im Raum einnehmen, stören sich aber im Allgemeinen wechselseitig nicht, es sei denn durch allzu unverträgliche Themenbezüge. Farben hingegen können sich optisch in die Quere kommen, sich beißen, oder wechselseitig die Schau stehlen. Sie können aber auch, über luftige Strecken hinweg, untereinander Lichtenergieströme bilden. Dies ist Im Szenario der Ausstellung in Nordhorn auf beeindruckende Weise gelungen, ganz ohne jeglichen Bezug auf eingefahrene Harmonievorstellungen, und insbesondere auch ohne unmittelbare Nachbarschaft. Es entsteht eine optische Choreographie des Farblichts, die sich auf Betrachter belebend auswirkt, erfahrbar wie eine leichte Levitation.“
Auszung aus dem Katalogtext von Ursula Panhans-Bühler.


