WOANDERS — Bilder vom Reisen

 

Frederik Foert, Felix Hüffelmann, Anahita Razmi, Alexander Roob, SpringerParker, Clara Winter & Miguel Ferráez

Die Reise ist schon seit langem kein Ausnahmezustand mehr, sondern in der Lebenswelt der meisten Menschen eine Normalität. Entsprechend vielfältig sind die Reisegründe und -formen geworden. Die Zahl der erreichbaren Reiseziele ist ebenfalls enorm gewachsen. Wenn Künstler sich auf Reisen begeben, dann stehen sie, anders als viele Berufsgruppen, in einer langen Tradition. Schon früh hat Kultur regionale Grenzen überschritten, als Handelsgut ebenso, wie mit ihren Protagonisten selbst. Aus gegenwärtiger Sicht würde man sagen, dass die Kunst als Ausdruck von geistiger Unabhängigkeit und Offenheit sowie als Feld besonderer Sensibilisierung von Wahrnehmung die Neugier und Entdeckerlust entsprechend steigert. Dazu gibt es spätestens seit dem 19. Jahrhundert reichhaltiges Anschauungsmaterial in Form von Reiseberichten und Kunstwerken, in denen sich die Faszination einer ganzen Epoche für exotische Welten spiegelt.

Inzwischen scheint es nicht mehr nur aufgrund der enormen Dichte und Geschwindigkeit von Informationen schwieriger geworden, Fernes ganz neu zu entdecken. Der gesamte Kunstbetrieb (und die Auseinandersetzung mit ihm) ist längst ein globales Betätigungsfeld, in dem sich Perspektiven und Ausdrucksformen aufeinander zu entwickeln. Doch die in jeder Reise mehr oder weniger unausgesprochen enthaltene Gegenfrage, wo die eigene Herkunft liegt, ist in einem globalen Umfeld aktueller denn je.

Mit dieser Gruppenausstellung gibt die Städtische Galerie Nordhorn jungen Künstlerinnen und Künstlern, für die Mobilität in jeder Hinsicht selbstverständlich ist, Raum für Bilder, Erzählungen oder auch mitgebrachte Dinge von fernen Orten, die sie bereisen oder an denen sie zeitweise sogar zu Hause sind. Dabei können sie sich sehr unterschiedlicher künstlerischer Mittel bedienen, die von Skulptur und Installation über Fotografie und Film bis hin zu Zeichnungen und Text reichen. In gewisser Weise erzählen sie damit alle auch etwas von sich selbst und schaffen zudem das Bild einer eigenen Verortung, die nicht mehr nur durch überlieferte Parametern von Traditionen, lokalen Formen oder Sprache bestimmt ist. So macht Kunst anschaulich, dass Herkunft, Heimat und Zuhause nicht mehr zwingend deckungsgleich sind, sondern als Begriffe für Erfahrungsräume stehen, mit einem durchaus variablen Verhältnis zueinander.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.