Berenice Güttler

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Die Städtische Galerie Nordhorn zeigt vom 18. November 2017 bis zum 28. Januar 2018 in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Göttingen eine Einzelausstellung von Berenice Güttler, die mit aktuellen Werken einen Einblick in die Entwicklung und die Erfahrungen während ihres Stipendiums 2016 in New York gibt.

Die Kunst von Berenice Güttler hat, wenn es um textile Materialien geht, viele Berührungspunkte mit dem Handwerk der Schneiderei und des Nähens und mit der Formensprache der Mode. Aus künstlerischer Perspektive rückt zudem ein Bezugsfeld von Zeichnung, Collage und Skulptur in den Blick, dessen Maßstab der menschliche Körper bildet. Vom Ausgangspunkt der Körperhülle haben sich ihre Stoffobjekte jedoch genauso weit entfernt, wie die Haute Couture vom einfachen Bedürfnis nach Bekleidung. Vieles erinnert zwar an Kleidungsstücke, aber deren vermeintliche Funktionalität ist entweder unterbrochen oder in absurder Weise überentwickelt, so dass mitunter schon aus den Handlungen des Ankleidens oder des Tragens eine Performance würde. Damit knüpft Güttler in pointierter Weise dort an, wo die Identität eines Individuums sich der Gesellschaft gegenüber in Form von mehr oder weniger bewussten Rollenspielen einschließlich Verkleidung ausdrückt, ohne jedochb   vordergründig solche Mechanismen aufzudecken.

Ihre Collagen und Zeichnungen öffnen den Blick auf den künstlerischen Prozess der textilen Objekte und Skulpturen, zum Beispiel mit Entwürfen, Schnittmustern oder auch fragmentarischen Textilstücken. Zugleich erweitert die Künstlerin hier ihren erzählerischen Spielraum um weitere Charaktere, die entweder aus ihrem eigenen Umfeld stammen könnten oder aus der Literatur. Insgesamt entsteht so eine sehr persönliche Welt, die überraschende Verbindungen zwischen Popkultur, Geschichte und privater Sphäre zieht. Vor diesem Hintergrund gewinnt ihr bevorzugtes Material eine höchst aktuelle Bedeutung: Stoffe und Textilien stehen heute mehr denn je für vielerlei Verbindungen von Alltagskultur, Gesellschaft und Kunst, aber auch zwischen lokalen Traditionen und globaler Kommunikation.

Einen großen Teil der Ausstellung bilden die 2016 während des Atelieraufenthaltes in New York entstandenen Werke. Dazu werden einige früher entstandene Werke gezeigt. Die Vitrinen im ersten Raum verdichten Objekte, Fundstücke und Zeichnungen der vergangenen Jahre zu einer kleinen Sammlung, in der sich verschiedene gedankliche Linien in Berenice Güttlers Kunst miteinander verbinden.

Berenice Güttler wurde 1984 in Hannover geboren und studierte Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie lebt und arbeitet in Hannover und Berlin.

Das New York-Stipendium wird von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und dem Land Niedersachsen an herausragende Künstlerinnen und Künstler aus Niedersachsen vergeben.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.