REMEMBER LIDICE

 

 

 

5. MÄRZ BIS 8. MAI 2016

 

ERÖFFNUNG: FREITAG, 4. MÄRZ, 19 UHR

 

Mit dieser künstlerisch breit gefächerten, internationalen Gruppenausstellung setzt der Ausstellungsmacher, Galerist und Sammler Rene Block ein vor fast 50 Jahren begonnenes künstlerisches Projekt fort, das seither mit einer versöhnlichen und zugleich weitblickenden Geste die Erinnerung an ein historisches Verbrechen wachhält.

Immer wieder zeigt sich, wie gerade die vermeintlich kleineren Schauplätze von Krieg und Völkermord eine bedrückende Symbolkraft entfalten können, in der das Unfassbare von Unrecht und Gewalt eine Form zu behalten vermag. Das tschechische Dorf Lidice, dessen Einwohner 1942 einem von Deutschen verübten Massaker zum Opfer fielen, war und ist ein solcher Ort. Das Symbolische ist auch der Wirkungsbereich der Kunst, weil sie nicht Fakten schafft oder verwaltet, sondern weil sie von denjenigen, die sich mit ihr beschäftigen, Haltung fordert. Kunst macht etwas mit uns, selbst dann, wenn alle Argumente ausgetauscht wurden, und alle Zahlen uns abgestumpft haben. Wir sprechen heute angesichts solcher Taten zu Recht von »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Ließe sich dazu ein stärkeres Gegenbild denken, als Menschlichkeit in Gestalt von Kultur?

»Remember Lidice« ist ein Glücksfall von Kultur als Dialog. Kunst berührt hier einen gemeinsamen, empfindlichen Nerv im Bereich der Erinnerung, die nicht als ein archivarischer Vorgang funktioniert, sondern einen auf die Gegenwart bezogenen Prozess der Veränderung und Aktualisierung von Bildern in Gang hält. So wird deutlich, dass Kunst dem Verdrängen und Vergessen nicht reflexhaft dokumentierend oder gar anklagend begegnet, sondern für eine positive Stärkung von Sensitivität eintritt. Die Geschichte dieses 1967 begonnenen und 1997 fortgesetzten Austausches von Kultur spiegelt heute rückblickend aber auch die Verwicklungen des Kalten Krieges und der Teilung Europas, und war später Teil neuer Hoffnung nach der Wiedervereinigung. Heute erscheint diese Idee freilich angesichts weltweiter Krisenherde aktueller denn je.

Den Künstlerinnen und Künstlern wurden trotz des großen historischen Themas (oder gerade deswegen) wieder keinerlei Vorgaben gemacht. Dennoch bezeugt die Auswahl der Persönlichkeiten eindrucksvoll Rene Blocks lebenslanges Engagement für politisch denkende Künstler und für eine Kunst, die mutig und subjektiv zu ihrer jeweils eigenen Zeit eine Position bezieht. Die eigentliche Schenkung durch die Künstler wird auch jetzt wieder ergänzt durch eine Präsentation der Werke in der Öffentlichkeit. Das Medium der Kunstausstellung wird einmal mehr zum entscheidenden Scharnier der Kommunikation, die solche Ideen begleiten muss.

Thomas Niemeyer