Sind wir schon in Echtzeit?


Monica Studer / Christoph van den Berg

 

12. SEPTEMBER BIS 15. NOVEMBER 2015

 

ERÖFFNUNG: FREITAG, 11. SEPTEMBER, 19 UHR

Die Kunst der Illusion führt Betrachter in andere Welten – oder bringt zumindest deren eigene ein wenig ins Wanken. Seit jeher übt die Illusion eine große und magische Faszination aus, von der Malerei über das Theater und das Kino bis zum Computerspiel. Entscheidend ist freilich, stets zu wissen, wann es sich um eine Illusion handelt.
Monica Studer und Christoph van den Berg bearbeiten diesen spezifischen Grenzgang des illusionistischen Bildes mit Hilfe digitaler Technologien und schlagen dabei eine Brücke von ganz aktuellen Fragen der sogenannten Virtualität zu der seit Jahrhunderten gewachsenen Beziehung des künstlich erschaffenen Bildes zur sichtbaren Wirklichkeit.

Die Motive erscheinen einerseits irritierend bodenständig und folgen doch andererseits den Pfaden des modernen digitalen Weltbürgertums. Immer wieder sind es alpine Landschaften – Felsen, Wasserfälle, Wälder oder Wiesen – mit denen Monica Studer und Christoph van den Berg sich auf ihren zu vermutenden heimatlichen Erfahrungsraum beziehen und damit natürlich augenzwinkernd auch auf die daran geknüpften touristischen Klischees. Aber Natur offenbart sich hier bei näherer Betrachtung unausweichlich als das, was sie ohnehin als Begriff und Vorstellung seit jeher ist, nämlich ein kulturelles Konstrukt. Insofern war und ist die klassische Trennung zwischen Natur und Kultur immer nur ein Bild, mit dessen Hilfe sich der Mensch einen eigenen Platz in der Welt zeichnet. In diese imaginären Naturräume hinein – und durch sie hindurch – haben die beiden Künstler eine vielfa?ltige digitale Infrastruktur gebaut, die von Bergwanderungen über Hotelzimmer bis hin zu Flughafenterminals verschiedene Aspekte des Reisens anschaulich macht. Doch wohin der Reisende auch geht, er kommt nirgendwo an, sondern ist gleichsam in einem ewigen Unterwegs-Sein gefangen. Stattdessen findet man hier und da pittoreske Haltepunkte, wie etwa besondere Aussichten oder Panoramen.

Wenn die digitalisierte Welt des Internet zum symbolischen Raum einer globalisierten Wahrnehmung geworden ist, mit dramatisch schwindenden traditionellen und territorialen Bezügen, dann halten Monica Studer und Christoph van den Berg diesem Symbol überraschende Bilder einer ewig fließenden oder sprunghaften Verortung entgegen.