Peter Piller: BELEGKONTROLLE

 

14. MÄRZ BIS 17. MAI 2015

 

ERÖFFNUNG: FREITAG, 13. März, 19 UHR

In Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur und der Kunsthalle Nürnberg zeigt die Städtische Galerie Nordhorn die bisher umfangreichste Ausstellung zu Peter Pillers fotografischen Serien. Seit gut 20 Jahren arbeitet Peter Piller (*1968 in Fritzlar, lebt und arbeitet in Hamburg) mit in den Medien gefundenen oder von anderen Urhebern übernommenen Fotografien, die er in einem inzwischen mehrere tausend Bilder umfassenden Archiv aufbewahrt und ordnet.

Begonnen hat für ihn diese Auseinandersetzung während seiner Tätigkeit für eine Medienagentur, in deren Auftrag er Tageszeitungen sichtete. Mit der Loslösung einzelner Bilder aus dem textlichen Zusammenhang der Zeitungen fand er das, was er einmal selbst als „absichtslos besonders“ und „ungewollt ästhetisch“ bezeichnet hat. Eine neue thematische Substanz erhalten die Bilder dann durch Zuordnung in zahlreiche Kategorien, die frei nach formalen Beobachtungen entwickelt wurden, wie zum Beispiel In Löcher blicken, Schießende Mädchen, Autos berühren, Tatorthäuser oder Ortsbesichtigung. Das Zeitungsarchiv wurde im Laufe der Jahre ergänzt durch weitere Bildbestände, wie zum Beispiel aus dem Nachlass eines Unternehmens, das kommerzielle Luftbilder von Einfamilienhäusern erstellte. Als ein weiteres umfangreiches Feld haben sich außerdem Sammlungen von Bildern mit militärischen Themen entwickelt, die aus Zeitungen, Magazinen, Büchern, Postkarten oder dem Internet entnommen wurden. Aneignung ist ein zentrales Prinzip in Peter Pillers Werk – und zugleich ein hochaktuelles in Bezug auf die visuelle Kultur von heute.  Mit der archivarischen Sammlung gefundenen Bildmaterials und der systematischen Neuzuordnung von Bedeutungen provoziert Peter Piller auch grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Bildern, und es gehört ohne Zweifel zu seinen künstlerischen Verdiensten, einer Ästhetik, die jenseits der berichtenden Bindung der Fotografie an ihr Motiv liegt, neuen und überraschend freien Raum zu verschaffen.

Neben den wichtigsten Reihen aus dem Archiv wird die Ausstellung auch eigene fotografische Werke Peter Pillers zeigen, die auf ihre Weise seine spezifische Auseinandersetzung mit sichtbaren kulturellen Strukturen anschaulich machen.

Zu der Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König ein umfangreicher Textband mit Essays internationaler Autoren, der die bisher veröffentlichten, überwiegend textlosen Bildbände Peter Pillers um eine neue theoretische Ebene erweitert.