JÜRGEN STOLLHANS

"WIR SCHALTEN ZURÜCK NACH RHEDA-WIEDENBRÜCK"


9. FEBRUAR BIS 16. MÄRZ 2008


Jürgen Stollhans (geb. 1962) wirft einen Blick zurück auf seinen Geburtsort und entwickelt daraus eine komplexe Ausstellungsdramaturgie. Mit Vorliebe ausgehend von historischen Seitenpfaden, alltagskulturellen Absurditäten und lokalen Eigenwilligkeiten rückt er die ostwestfälische Doppelstadt an der Ems in das Zentrum eines faszinierenden Netzwerks unterschiedlicher Erzählstränge. Es ist eine eigenwillige Reise zu den Wurzeln und zugleich ein neuerlicher Aufbruch in die großen Zusammenhänge der bundesrepublikanischen Geschichte.

Denn für Stollhans sind Orte eher Anfangspunkte für sich bis ins Unentwirrbare weiterspinnende Erzählfäden, die er ebenso verspielt wie intelligent neu zusammenknüpft. Was dabei herauskommt, ist bisweilen Erstaunliches. Denn zu entdecken gibt es in Rheda-Wiedenbrück weniger die Orte einer Kindheit als z. B. das zur Architektur geronnene Bild für Stollhans Arbeitstechnik, mit der er die Geschichte quasi neu verkabelt: Der eigentümliche Bau eines alten Verstärkeramtes wird zum (gedanklichen) Zentrum seiner aktuellen Bilderreihe.

Es ist das wages Schillern zwischen präziser Information und deren verwirrenden Verknüpfungen, das die Faszinationskraft von Stollhans Installationen ausmacht. Seine jüngsten, mit Schulkreide gezeichneten Tafel-Bilder sind ebenso flüchtig wie die ihnen zugrunde liegenden Gedankenverbindungen, denn alles, was Stollhans mit großer Virtuosität aus dem Fundus seines medialen Archivs in Beziehung zueinander setzt, könnte auch in ganz anderen Konstellationen neu arrangiert werden. Aus Objekten, Zeichnungen und Collagen entsteht ein geschlossener installativer Kosmos, in dem die Dinge und die Menschen sich oft in eigentümlichen, gar absurden Verhältnisse miteinander verflochten sehen.

Insofern arbeitet Stollhans trotz aller medialer Verspieltheit ganz "uncool" an einem aufklärerischen Projekt: Erst die Verwirrung führt zu den eigenen Fragen, erst das genaue Hinsehen zum Begreifen, erst die konkrete Auseinandersetzung zum Wissen über die Welt.

Ein Katalog erscheint im Frühjahr 2008.