TÜRKISCH DELIGHT

15. September bis 28. Oktober 2007


Nezaket Ekici, Özlem Günyol und Mustafa Kunt, Gülsün Karamustafa, Ebru Özseçen, Anny und Sibel Öztürk, Iskender Yediler 15. September bis 28. Oktober 2007

Im Zuge einer gerade auch in der Kunst geführten Auseinandersetzung mit Themen wie Globalisierung, Postkolonialismus, Zentrum und Peripherie oder Migration rückt die Türkei vor allem auch durch die erste große "Gastarbeiter-Welle" und die daraus hervorgegangenen deutsch-türkischen Familienbiografien verstärkt in den Blickpunkt. Die Ausstellung "Türkisch Delight" geht der Frage nach, mit welchen Themen sich in Deutschland lebende türkische Künstlerinnen und Künstler beschäftigen. Wie ist ihr Verhältnis zum Heimatland der Eltern? Wie definieren sie Heimat? Welche Folgen hat das Leben in oder zwischen zwei Kulturen? Aber auch: Wie entstehen kollektive und individuelle Identität, was ist ein kulturelles Selbstbild, wodurch wird ein lebensweltlicher Rahmen bestimmt? Die Arbeiten aus den Bereichen Installation, Skulptur, Zeichnung, Video und Performance spiegeln diese Fragen auf vielfältige Weise.

So beschäftigt sich das Künstlerduo Özlem Günyol und Mustafa Kunt mit der Bedeutung von Sprache, Symbolen und medial vermittelten Informationen sowie deren Anbindung an kulturell codierte Verständnismuster, um aktuelle gesellschaftliche Fragen der kulturellen und staatlichen Zugehörigkeit kritisch zu reflektieren. Die Installationen und Zeichnungen der Künstlerinnen Anny und Sibel Öztürk wiederum thematisieren auf liebevoll-kritische und sehr direkte Weise die Sozialisation durch zwei unterschiedliche kulturelle Traditionen sowie die Widersprüchlichkeiten, die sich daraus ergeben. Ebru Özseçen spürt dem Präsentations- und Repräsentationsgehalt von Formen und Ornamenten und deren kultureller Übertragbarkeit und Lesbarkeit nach, während Iskender Yedilers skulpturale Objekte sich mit der Symbolik von Alltagsgegenständen und Objekten auseinandersetzen. Die Performerin Nezaket Ekici thematisiert in vielen ihrer Projekte ihr persönliches Verhältnis zu beiden Kulturen, wobei sie die jeweiligen Traditionen und Normen kritisch hinterfragt. Auch Gülsün Karamustafa verknüpft die Frage nach kultureller Identität mit der Frage nach der eigenen Identität und deren Prägung.

In den ausgestellten Arbeiten spiegeln sich auch aktuelle Debatten um "deutsche Leitkultur", "Parallelgesellschaften" oder auch kulturelle Identitäten in einer ganz eigenen Dramatik zwischen Dokumentation, Anklage, Humor, Ratlosigkeit und leiser Ironie. Längst scheint es unmöglich von einer einzigen Kultur in Deutschland zu sprechen. Die fortschreitende Globalisierung führt vielmehr zum Entstehen fluktuierender Lebenswelten und Identitäten. Kunst und Kultur sind in diesem Prozess des Wandels als Diskussionsgrundlage und Orte der Reflektion zu verstehen.

Ein Katalog erscheint zum Ausstellungsende.