HANS HEMMERT

"Diese Vorbereitung der Bereitschaft des Sich-Offen-Haltens für die Ankunft oder das Ausbleiben des Gottes"


Z2. Juni bis 15. Juli 2007


Blickfang dieser Einzelausstellung ist die Skulptur "German Panther", ein Panzer in Originalgröße, nachgebaut aus über 3.000 bunten Luftballons. Schon hier zeigt sich der subtile Humor des Künstlers, der gerne mit Gegensätzlichkeiten irritiert: tonnenschweres Kriegsgerät, nachgebildet aus nichts als Luft und leichten, bunten Latexhäuten. Luftballons, die Klassiker harmlosen Kinderspielzeugs, die den militärischen Ernstfall proben. Deutsche Wertarbeit mit Ewigkeits- und Unzerstörbarkeitsanspruch, die auf den bereits im Moment des Entstehens beginnenden Verfall trifft. Denn auch dem "German Panther" wird im Laufe der Ausstellung die Luft ausgehen, bis nur noch ein schlaffer Plastikhaufen übrigbleibt.

Hemmert hat die luftgefüllte Blase quasi zur Grundform erhoben. Sie ist das Material für die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis des Menschen zum Raum und den Dingen. Die Blase spielt auch in den anderen Werken von Hans Hemmert – seien es Skulpturen in Polyestertechnik, gezeichnete und collagierte Video-Animationen oder Aquarelle – eine zentrale Rolle. Ihre Ausstülpungen formen mal einen Ghettoblaster, ein Kreuz, einen Revolver oder gar einen ganzen Porsche. Und fast immer sind diese giftig gelben Objekte in einen konkreten Bezug zu Menschen gesetzt, die sie nutzen, tragen, neben ihnen stehen, sie in gewisser Weise "bewohnen".

Menschen und ihre Lebensräume, ihre Geschichts- und Aktionsräume sind eben nicht linear vernetzt, sondern eine komplexe Vielzahl an Schaumblasen. Es sind Sphären, die sich aneinander anlagern, durchdringen und vereinen und die Hemmert in hohem Maße sinnlich und anregend, ebenso ironisch gebrochen wie von tiefem Ernst durchzogen in Szene setzt. Darauf spielt auch der Titel der Ausstellung an – ein Heidegger-Zitat von 1966, das die verbliebenen Möglichkeiten des menschlichen Denkens beschreibt. Die Skulpturen, Zeichnungen, Aquarelle und filmischen Animationen bergen die ungeheure Spannung des unlösbaren Widerspruchs, sie sind geschichtspralle Abstraktionen, rätselhafte Analysen und schillernde Geheimnisse zugleich – und sie sind eine Wonne für die Augen.

Hans Hemmert wurde 1960 in Hollstadt geboren und lebt in Berlin. Er studierte an der Hochschule der Künste Berlin und an der St. Martins School of Art, London. 1992 gründete er mit Axel Lieber, Thomas Schmidt und Georg ZeyIn die Gruppe Inges Idee (Kunst im öffentlichen Raum). In den vergangenen Jahren hatte er u.a. Einzelausstellungen im Institut für moderne Kunst, Nürnberg (2005), im Neuen Berliner Kunstverein (2000) und im Museum Folkwang in Essen (1999).