OLIVER GRAJEWSKI / HANNES TRÜJEN

"Vampire, Ihr!"


24. Februar bis 15. April 2007


Oliver Grajewski (*1968, Leverkusen) und Hannes Trüjen (*1970, Bremen) haben beide Malerei studiert – Grajewski an der HdK Berlin, Trüjen an der Staatlichen Akademie in Stuttgart. Beide aber haben sich anschließend mit Entschiedenheit von den klassischen Arbeits- und Bildfindungsformen der Malerei abgewandt und ihr Augenmerk auf die Verwertungsstrukturen des Kunstsystems selbst gerichtet.

Oliver Grajewski setzt sich heute in erster Linie zeichnerisch mit Themen auseinander, die durch das Zeitgeschehen, menschliche Verhaltensweisen, soziale Beobachtungen und auch biografische Bezüge angeregt werden. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten stehen in der Regel medial vertraute Motive wie Superhelden, Action-Szenen, "typische" Jugendliche oder Interieurs, die Grajewski jedoch auf eigenwillige Weise umwertet und die Eingebundenheit jeglicher Handlung in einen sozialen und politischen Kontext deutlich werden lässt. Wichtig ist ihm, dass Verwertungskonventionen in Bezug auf die Kunst ihre Macht verlieren: Nicht nur mit einem eigenen Preissystem für seine Zeichnungen, sondern auch durch den Einsatz von Fotokopien und Plots anstelle des traditionellen "Originals".

Auch Hannes Trüjen hat die Frage nach dem Wert des künstlerischen Unikats und dessen Funktion im privaten Nutzungszusammenhang ins Zentrum seines Werks gerückt. Sein breit angelegtes Projekt "painting placement" beispielsweise ersetzt den Geniegestus des Künstlers durch den kreativen Umgang des Rezipienten mit einer breiten Angebotspalette vorgefertigter Versatzstücke. Damit weitet er nicht nur das Werk auf die Handlung des Betrachters aus, sondern animiert auch zum Verlassen des klassischen Ausstellungsraums. Während Trüjen bewusst auf Aufmerksamkeits- und Servicestrategien großer Firmen zurückgreift, spielen seine Arbeiten nicht nur mit der Tradition des Readymades, sondern auch mit den ökonomischen Verwertungsstrukturen der Massenproduktion.

Das gemeinsame Ausstellungsprojekt "Vampire, Ihr!" führt diese beiden Arbeitsansätze auf anregende Weise zusammen. Das Bild des Vampirs funktioniert dabei auf mehreren Ebenen: Nicht nur verwerten beide Künstler Formen, Geschichten und Elemente des jeweils anderen, sondern ihre Werke bedienen sich auch ungehemmt aus dem großen Fundus des öffentlichen (Bilder-)Lebens.

Und natürlich ist auch der Ausstellungsbesucher gemeint, der in seiner unablässigen Suche nach Neuem, Anregendem Künstler und Kreative aussaugt und von ihnen immer wieder frische Impulse verlangt. Grajewski/Trüjen antworten auf dieses komplexe Abhängigkeitsverhältnis von Erwartungen und Angeboten mit einer Ausstellung, in der nichts ist, wie man es gemeinhin erwartet und vieles wieder so, wie man es lange nicht mehr gehört und gesehen hat: Denn hinter all den Arbeiten steht durchaus ein aufrechter und angeblich so unzeitgemäßer Appell: Ihr Untoten, wacht auf! Nehmt die Dinge in die Hand! Ändert etwas!

Zur Ausstellung sind zwei eigenständige Publikationen erschienen.