HÖRNSCHEMEYER

Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2006


2. Dezember 2006 bis 14. Januar 2007


Anlässlich ihrer Ausstellung zur Verleihung des Kunstpreises der Stadt Nordhorn 2006 ließ Franka Hörnschemeyer aus Ständerwerk und Gipskartonplatten ein labyrinthisches Gangsystem in die Galerieräume bauen, durch das sich die Besucher frei bewegen können. Kleine Kabinette wechseln mit engen Durchlässen und breiten Gängen ab, Verzweigungen verlangen Entscheidungen und Sackgassen zwingen bisweilen zur Umkehr.

Eine Besonderheit dieser Installation mit dem Titel "LaSound 1206" ist Hörnschemeyers Verzicht auf die Simulation einer geschlossenen Raumstruktur. Vielmehr lässt sie in ihrer Arbeit die Bauweise sichtbar, indem das Ständerwerk nur einseitig beplankt wurde und der Gipskarton zudem nicht vom Boden bis zur Decke reicht. Stattdessen wurde eine 1,25 m hohe Plattenreihe in Augenhöhe verschraubt. Während man einerseits ein präzise ausgemessenes Wegelabyrinth betritt, kann man zugleich eine fast tänzerische Vertikalstruktur aus Leichtmetallständern entdecken oder sich mit Blick unter die Platten hindurch auch wieder innerhalb des eigentlichen Galerieraums neu orientieren.

Mit ihrem Nordhorner Projekt nimmt Hörnschemeyer konkret Bezug auf die gegebene Raumsituation: Der klar strukturierte Ausstellungspavillon, selbst Raum im Raum, wurde seinerzeit als "funktionale Skulptur" in die Industriehalle Alte Weberei hineingebaut. Mit iher Installation sucht sie nun wieder die direkte Anbindung des "geschützten Kunstraums" an die historische Architektur.

Auf den Wänden selbst gewährt Hörnschemeyer zum ersten Mal einen detailreichen Blick in ihr Arbeitsarchiv. Mit Plänen, Zeichnungen, Fotos und Objekten präsentiert sie die Entstehungszusammenhänge vieler früherer Installationen.

Franka Hörnschemeyer wurde 1958 in Osnabrück geboren und studierte von 1981 - 87 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Zahlreiche Stipendien und Preise führten sie u. a. nach New York, Venedig und zuletzt Leeds (Henry Moore Institute). Wichtige Einzelausstellungen hatte sie in der Berliner Kapinos Galerie (2001/02/04/05), im Hamburger Bahnhof in Berlin, im Essener Kunstverein Ruhr (2005) und in der Galerie Nordenhake, Berlin (2006). Darüber hinaus war sie an zahlreichen Gruppenausstellungen beteiligt wie z. B. "Ein/räumen" in der Hamburger Kunsthalle (2000), der 4. Werkleitz Biennale "Real[work]", "Mobile Museen" in Berlin und Wien oder "Ideal City / Invisible Cities" in Zamosc und Potsdam (2006).

Die Ausstellung wurde gefördert durch das Land Niedersachsen und die Fa. Lafarge Gips GmbH (Oberursel) sowie durch Rat und Tat von Matthias Horstkamp (H.D.K. Tischlerei, Nordhorn). Das Preisgeld wurde durch eine Spende des Förderkreises Städtische Galerie Nordhorn e. V. ermöglicht. Die Laudatio hielt Dr. Sabine Maria Schmidt, Kuratorin am Lehmbruck-Museum Duisburg und Mitglied der diesjährigen Vorschlagskommission. Sie hatte Hörnschemeyer für diesen Preis nominiert.

Zum Ende der Ausstellung erscheint ein ausführlicher Katalog.