MODELLRÄUME – BÜHNEN, SPIELFELDER, VERSUCHSANORDNUNGEN


22. Mai bis 10. Juli 2005


Eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern hat in der Idee des Modells wieder eine Möglichkeit entdeckt, die Brüche einer Realität zu inszenieren, die in ihrem Originalmaßstab kaum mehr fassbar erscheint. Im Spannungsfeld zwischen bildender Kunst, Medienwelt und Alltag rücken vor allem narrative und inszenatorische Elemente des Erprobens und Durchspielens ins Zentrum der Auseinandersetzung: die Miniaturisierung als Experimentierfeld, Bezähmung oder Bühne des Lebens.

Die Städtische Galerie Nordhorn präsentiert nun erstmals nach längerer Zeit wieder eine thematische Ausstellung zum Gedanken des Modells. Zu sehen sind neun ganz unterschiedliche Ansätze einer Beschäftigung mit der Welt im verkleinerten Maßstab: vom reduzierten Architekturmodell über Materialcollagen und suggestive Arrangements bis hin zum Video. Fantasierte Räume, skurrile Konstruktionen und erzählerische Szenarien verführen zu erstaunlichen Perspektivwechseln innerhalb einer Ausstellungsarchitektur, die sich mit beziehungsreichen Sichtachsen und Konfrontationen selbst zwischen Funktionsraum, Inszenierung und Modell bewegt.

So ist Jürgen Albrecht mit einem vertrackten Videofeedback seiner Lichträume zu sehen sein, während Stephan Mörsch seine Modelle von Strandgebäuden sowohl mit dem Zeichenstift als auch mit der Videokamera erkundet. Katharina Jahnke wiederum inszeniert mit ebenso roh gezimmerten wie suggestiv arrangierten kleinen Hütten beklemmende Angsträume, und auch in Alexandra Ranners nur leicht im Maßstab reduzierten Innenräumen herrscht eine eher bedrohlich rätselhafte Atmosphäre. Mariele Neudecker seziert mit den so genannten Tank-Arbeiten Zitate romantischer Landschaftsauffassung mit wahrnehmungs-theoretischem Interesse, während Isa Melsheimers architektonischen Zitate vor allem der Welt der Massenmedien entspringen. Nandor Angstenberger wiederum stellt aus liebevoll ausgewählten Kleinstteilen unseres Wohlstandsmülls fantastische Städte und Lebensräume zusammen, und Oliver Bobergs "Nacht-Orte" sind filmisch inszenierte Abwesenheiten voller unerzählter Geschichten. Peter Sauerer schließlich zerlegt seine zuvor sorgfältig geschnitzten Modelle von Gebäuden oder Schiffen in kleinste Einzelteile, um sie dann auf Schnüre aufgezogen wieder zu äußerst fragilen Collagen zusammenzusetzen.