ANETT FRONTZEK

KUNSTPREIS DER STADT NORDHORN 2005


19. November 2005 bis 8. Januar 2006


Nachdem die 1969 im Westerwald geborene Sonja Alhäuser mit essbaren Skulpturen, bildhauerischen Buffets und aquarellierten Rezeptzeichnungen vor allem als "Kochkünstlerin" bekannt wurde, stand schon länger die Präsentation ihres vielfältigen Werks in einem größeren Zusammenhang aus. Mit der Ausstellung "goldgelb" präsentiert die Städtische Galerie Nordhorn Alhäuser auf rund 450 qm mit einer raumgreifenden Installation, in der sich ihre unterschiedlichen künstlerischen Arbeiten zu einem komplexen, mit allen Sinnen erfahrbaren Themenbogen der unentwegten Metamorphosen zusammenfügen.

In ihren Arbeiten thematisiert Alhäuser den ewigen Kreislauf des Lebens, seiner Mittel und den ständigen Fluss der Veränderung. Seien es Rezeptbilder, die nicht erst beim Zusammentragen der Zutaten beginnen und den Weg des Gerichts bis zur endgültigen Verdauung verfolgen, seien es die Auswirkungen des Alkohols auf die zwischenmenschlichen Beziehungen; immer sind es große, oft auch überraschende Abläufe, die Sonja Alhäuser detailreich und mit viel Fabulierlust ins Bild setzt.

Im Nordhorner Projekt "Stadt aus Stroh" trifft der Betrachter auf eine verführerische Installation aus zahllosen, teils riesigen Strohballen und -rollen. Gestapelt, getürmt, verspannt und geschnürt entwickelt Sonja Alhäuser aus diesem Material nicht nur eine große räumliche Struktur, sondern belebt diese zugleich mit Ornamenten, Figuren und architektonischen Zitaten. Im Innern dieses verwinkelten Baus aber findet sich auch ein Video, in dem diese fragile, vergängliche Stadt mit lautem Knistern zu einem Raub der Flammen wird.

In einem zweiten Raum inszeniert Alhäuser noch einmal das große Welttheater in der Küche: Da schmilzt elegisch und zartrot eine eisige Frauengestalt in Prosecco, da türmen sich gebackene Menschenfiguren oder aufgeblähte Blätterteig-Wesen erklimmen den Butterberg.

Mit den Strategien und Geheimnissen einer Köchin rückt Sonja Alhäuser eine Welt ins Bild, die voller verwunderlicher Zusammenhänge und verblüffender Abläufe ist. Keine Handlung bleibt ohne Konsequenz, kein Ergebnis ohne Ursache, das Essen, die Liebe, Flora und Fauna, Leben und Sterben erscheinen in ihren Arbeiten als Teil eines großen Kreislaufs, der nur scheinbar zu einer logischen Ordnung findet.