ANDREAS GEFELLER – KUNSTPREIS DER STADT NORDHORN 2004


21. August bis 3. Oktober 2004


Es liegt in der Natur des Reisens, dass mit dem Überqueren von Grenzen zwangsläufig kulturelle Kontexte aufeinanderprallen. Für die einen ist die Begegnung mit dem Fremden eine faszinierende, zeitlich klar begrenzte Erfahrung mit dem touristischen Blick von außen. Für andere wieder ist es jedoch vor dem Hintergrund individueller biographischer Verwerfungen eine dauerhafte Herausforderung. Seien es Arbeitsbedingungen, politische Umstände, persönliche Entscheidungen oder sogar Situationen direkter physischer Bedrohung – immer mehr Menschen treibt es weit über den Geburtsort hinaus in die verschiedensten Länder quer über den Globus.

Vielleicht stärker, vor allem aber spürbarer als andere Menschen reagieren Künstler auf solche tief greifenden gesellschaftlichen, politischen wie vor allem auch kulturellen Veränderungen, indem sie Fragen nach so geläufigen Phänomenen wie Heimat, Grenze, Identität und Region neu stellen. Weitestgehend frei von politischen Sachzwängen und Scheuklappen, aber auch mit utopischer Kraft und einer bildmächtigen Sprache sind sie in der Lage, neue Perspektiven in festgefahrene Diskussionen zu bringen.

Anhand von vier exemplarischen künstlerischen Positionen – und das heißt oftmals auch exemplarischer Biographien – wird dieses Problem- und Diskussionsfeld in Nordhorn thematisiert. Dies geschieht zudem an einem Ort, der selbst mit seinem ländlichen Umfeld und der direkten Grenznähe zu den Niederlanden ganz konkret zwischen ausgeprägter Heimatverbundenheit und regem Austausch mit den holländischen Nachbarn, zwischen Selbstbezogenheit und Weltoffenheit hin und her gerissen ist und mit dem Fremden Wunschträume und Projektionen ebenso verbindet wie Befürchtungen und Vorbehalte.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie stellt solche Fragen und Haltungen anregend zur Diskussion und konfrontiert sie mit einem künstlerischen Werk, das sich auf unterschiedliche Weise mit Heimatlosigkeit oder "Weltbürgertum" auseinandersetzt. Eingeladen wurden Colonel/Thierry Geoffroy (geb. in Frankreich, aufgewachsen in Algerien, lebt in Kopenhagen), Gillion Grantsaan (geb. in Surinam, lebt in Amsterdam), Jun Yang (geb. in China, lebt in Wien) und Jörn Stahlschmidt (geb. in Köln, lebt in Hamburg, Vielreisender). Die thematische Ausstellung wird zudem von einem Rahmenprogramm begleitet, das in enger Kooperation mit dem Kulturamt des Landkreises Grafschaft Bentheim zusammengestellt wurde. Ausgehend von den künstlerischen Fragestellungen werden hier – mit Vorträgen, Gesprächsrunden, Filmen oder kleineren Ausstellungsprojekten – persönliche Lebensgeschichten und grundsätzliche Fragen in den Mittelpunkt gerückt.