INA WEBER: SEX TAXI PIZZA


23. Mai bis 6. Juli 2003


Die Kölner Künstlerin Ina Weber, die bei dem mittlerweile verstorbenen Martin Kippenberger ihren eigenwilligen Blick auf die Welt schulte, zeigt in der Städtischen Galerie Nordhorn erstmalig eine umfassende Zusammenstellung ihrer Skulpturen und zeichnerischen Aquarelle, die sich allesamt mit der Alltagsarchitektur und der Bewegung in den Städten beschäftigen.

"Sex", "Taxi" und "Pizza" sind die drei am meisten auf der Welt verstandenen Wörter. Mit der Wahl dieses Titels hat Weber einerseits ein einfaches sprachliches Bild für die Globalisierung, das Zusammenwachsen selbst der entlegensten Teile der Welt gefunden. Auf der anderen Seite aber beschreibt der Titel auch ihr Arbeiten selbst.

Seit ihrem Studium an der Universität Gh Kassel ist Ina Weber (geb. 1964 in Diez) viel unterwegs – in deutschen und europäischen Städten, in der französischen Provinz, an den englischen Küsten und hat dabei eine eigenwillige Sammelleidenschaft entwickelt: Sie sammelt Architekturen. Wie eine Art Reiseerinnerung trägt sie die urbanen Eindrücke in Form einer Vielzahl von Fotos zusammen, die dann später in ihren Arbeiten zu einer neuen Bildwelt zusammenfinden.

Dabei ist ihr Blick weniger auf die städteplanerischen Sensationen gerichtet als vielmehr auf die Erfahrungswelt des Alltäglichen, des "Normalen", auf die Dynamik und Flüchtigkeit des großstädtischen Erlebens mit all seinen Absurditäten, seiner verborgenen Poesie und den verwirrenden Gleichzeitigkeiten. In den Zeichnungen und Skulpturen von Ina Weber scheint dieser urbane Kontext auf eine behutsame Weise wieder zur Ruhe zu kommen, indem sie einzelne Gebäude, städtische Ensembles oder auch architektonische Details isoliert und sie so dem lauten und unübersichtlichen Nebeneinander entzieht.

Indem sie dem Betrachter keinen eindeutig zu klärenden Status zuweisen erhalten ihre Zeichnungen, aber auch die Skulpturen dieses schwer zu fassende Moment der Verstörung. Webers architektonische Modelle wirken herausgelöst aus einem konkreten Umfeld, fast ortlos und entfalten durch die Kombination verschiedener Elemente und Bedeutungsreferenzen ein vielschichtiges Spiel der Verweise. So besitzt die "Tankstelle" beispielsweise den Flair des irgendwo schon einmal Gesehenen, des diffus Bekannten, indem sie aus einer ganzen Reihe gefundener Architekturelemente zu einem wie selbstverständlich harmonierenden Ganzen zusammengesetzt wurde.